Das Wandern ist des Müllers Lust…

Wow, jetzt ist der April schon rum und ich hatte so viel um die Ohren, dass ich echt nur einen Blogeintrag geschafft habe – wahnsinn.

Privat waren mehrere Geburtstage auf dem Plan, Ostern kam noch dazu und auch in der Arbeit war extrem viel los. Irgendwie muss man alles unter einen Hut bringen und da hat man irgendwann einfach keine Zeit mehr. Jetzt im Mai hoffe ich, dass es im wahrsten Sinne wieder bergauf geht.

Als Kind war ich mit meiner Familie oft beim wandern, im Wald oder sonst irgendwo unterwegs. Es waren immer wieder Ausflüge geplant und zu Hause waren wir somit seltener. Mit der Zeit hat sich das dann leider immer mehr verabschiedet. Die Schule, Hobbys und dann die Ausbildung bzw. Beruf hat sein übriges dazugetan. Die Zeit wurde immer knapper..

Das Jahr 2019 will und werde ich dafür nutzen wieder aktiver zu sein, mehr rauszugehen und fitter zu werden..

Hoch hinaus ist das Ziel – 1731m um genau zu sein..

Der Herzogstand hat genau diese 1731 Höhenmeter und genau die wollen wir hinauf.

Wusstest du, dass der Herzogstand seinen Namen von den Bayernherzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. hat? Er ist einer der bekanntesten Münchner Hausberge und wir zu allen Jahreszeiten bestiegen. Seit 1857 befindet sich dort ein Haus zum einkehren, sei’s wie damals ein Jagdhaus oder jetzt das Herzogstandhaus.

Der kürzeste Zustieg führt von Süden ab der Talstation der Seilbahn zum Herzogstandhaus und dann weiter zum Gipfel und wird mit ca. 2,5 Stunden angegeben. Meine Applewatch wird mir dann schon sagen, wie lang wir gebraucht haben.

Wir – Alex & Mona und mein Verlobter Chris & ich – machen zusammen die erste Wanderung, aber es können durchaus weitere folgen.

Die Vorbereitungen

Weil’s ohne Vorbereitung natürlich nicht geht, wurde erst mal die Ausrüstung zusammengesucht.

Die Wanderschuhe sind noch vorhanden und passen auch noch – das letzte mal hergenommen bei einem ziemlich feucht-matschigem Wetter zum Gassi gehen.

Mein letzter Wanderrucksack hat den Geist aufgegeben, also habe ich mir kurzerhand einen neuen bestellt. Beim Rucksack hab ich auf viel Platz (dieser Rucksack umfasst 50L) und einen Beckengurt geachtet. Passend oder fast passend zur Farbe meiner Schuhe. Man muss auch auf dem Berg gut aussehen. 😀

Nachdem der Rucksack dann endlich daheim angekommen ist, stellte sich die Frage, was man anzieht. Da der Herzogstand doch 1500m und mehr hat, wird dort höchstwahrscheinlich noch Schnee liegen, somit kommt eine 3/4-Hose einfach nicht in Frage. Eine normale Jeans zum wandern finde ich persönlich schon ziemlich unbequem, da hat man ja keine freiheiten, also los zum shoppen. Hier ist mein Ergebnis:

Hose, Unterhemd, Sport-Poloshirt und eine leichte Jacke. Da auch alles super farblich zusammen passte und ich damit sehr zufrieden war, konnte ich mich jetzt ans Rucksack packen machen.

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit – viel zu viel!

Da ich ja explizit einen 50 Liter Rucksack rausgesucht habe, dachte ich, hab ich jede menge Platz übrig wenn ich fertig gepackt habe, aber dann braucht man hiervon noch etwas und da noch was und naja, wer kennt es nicht, der Rucksack war doch irgendwie recht schnell „voll“.

Ich bin im Internet ein paar Seiten durchgegangen und hab mal geschaut was man so für eine Wanderung einpacken sollte. Aus diesen Seiten habe ich dann für mich eine persönliche Packliste gemacht und dementsprechend meinen Rucksack gefüllt:

So viel wie nötig, so wenig wie möglich..

  • Funktionsshirt zum Wechseln
  • Kappe o. Stirnband
  • Sonnenbrille
  • Sonnencreme
  • Mütze u. Handschuhe
  • Taschenmesser u. Taschenlampe
  • Snacks
  • 1,5 l zum Trinken
  • Erste Hilfe Set
  • Medikamente
  • Taschentücher
  • Feuerzeug
  • Regenjacke
  • Pullover
  • Insektenspray
  • Deo
  • Geldbeutel
  • Ladegerät
  • Powerbank

Bis das alles seinen richtigen Platz im Rucksack gefunden hatte, und ich zufrieden mit der Aufteilung und der schwere des Rucksacks war, verging ein bisschen Zeit. Aber wer kennt es nicht, es muss einfach immer wieder ein bisschen was eingepackt, umgepackt oder einfach schlichtweg rausgelassen werden.

Am Tag der Wanderung..

..gings früh morgens aus dem Bett. Um halb 6 ging der Wecker, damit man sich frisch Duschen und herrichten konnte. Die Brotzeit muss noch geschmiert und dann verstaut werden. Ein Brot zum Frühstück war auch nicht ganz verkehrt. Um 7 wurden wir dann abgeholt und es ging weiter Richtung Herzogstand.

Die Autofahrt allein war einfach schon richtig genial und wir hatten einfach alle super gute Laune. Die Partymusik half da noch ein bisschen nach.

Wir machten uns auch nochmal ein bisschen über „die 11 Phasen beim Wandern, die jeder Münchner kennt“ lustig. Wir hatten ja schließlich vor, diese 11 Phasen nicht durchzumachen und einfach gleich bei Phase 11 zu sein, mal schauen wies so wird.

Am Parkplatz vom Herzogstand angekommen erst mal ausgestreckt vom Autofahren. Die Wandersocken und Wanderschuhe angezogen und verschnürrt und den Rucksack auf den Rücken geschnallt. Alles wartet bis es los geht. Noch schnell ein Foto und dann machten wir uns auf den Weg!

Wir hatten ja schließlich vor ein paar Höhenmeter zu schaffen, 2,5 Stunden angesetzt, nee des machen wir bissl gemütlicher – wir brauchen schließlich unsere Pausen.

Ich glaube es waren nicht einmal 10 Minuten, die wir gegangen sind, da haben wir bereits die erste Pause gemacht, wir waren ja noch nicht mal auf dem richtigen Wanderweg Richtung Gipfel. Alex wars zu warm und irgendwie zwickte die Blase doch ein bisschen. Der letzte Toilettengang war ja auch schon wieder 1,5 bis 2 Stunden her, also da kann man doch schon wieder müssen..oder?

Nachdem die Jacke verstaut und die Blasen nicht mehr zwickten gings weiter. Endlich auf dem richtigen Wanderweg. Die Steigung war eigentlich echt in Ordnung und wenn die so bleibt, dachten wir uns, schaffen wir das ja dann doch in den vorgegeben 2,5 Stunden – kein Problem. Nur irgendwie wars dem Alex immernoch zu warm und Chris meinte jetzt auch, so langsam wärs gut warm. Auch bei Mona zeigten sich die ersten Anzeichen. Nochmal stehen bleiben ist doch doof, aber wir taten es trotzdem. Alex schälte sich aus der nächsten Jacke, Chris zog den leichten Pulli aus und Mona entledigte sich den Schal. Die ersten Flaschen wurden geöffnet und dann gings gut gelaunt und mit weniger am Leib, dafür mehr im Rucksack weiter.

Der Ausblick war auch ohne all zu viel geschafften Höhenmetern schon echt der Hammer! Ich hatte ganz vergessen wie zauberhaft und beruhigend das ist, wenn man so weit und viel sehen kann. Grad mit dem See und den Bergen im Hintergrund. Ist das nicht einfach absolut phantastisch?

Die erste richtige Steigung kam und innerlich stönte ich schon ziemlich auf. Den Berg hinauf laufen ist doch anstrengender als ich dachte und mein Puls ist auch schon ziemlich hoch. Na Bravo – was mach‘ ich hier eigentlich? Ich hoffe, die Steigung hört irgendwann mal wieder auf – klar damit macht man die Höhenmeter, aber ginge des nicht auch sanftansteigend? So langsam komm ich richtig ins schwitzen. Aktuell brauch ich die Luft zum Atmen, an reden ist grad wirklich nicht zu denken.

Die Steigung dann endlich bewältigt haben wir uns alle sehr gefreut. Die Jungs meinten, in der Therme hätte es jetzt schon den ein oder anderen Cocktail und ein paar Bahnen im kühlen Nass gegeben. Tja – wir sind halt jetzt auf dem Weg zur Spitze! Ich muss aber dazu sagen, dass wir nicht gemeckert haben, nur festgestellt und gelacht haben wir ja trotzdem noch. Die Landschaft ist auch immer schöner geworden und ich muss wirklich sagen, ich hab die Bergluft sehr genossen. Ich hab persönlich schon gemerkt, dass die Luft viel frischer und angenehmer zum Atmen ist.

Irgendwann war dann der Punkt erreicht, wo auch ich angefangen habe, richtig zu schwitzen. Auch ich war etwas zu warm angezogen. Ich hatte unter meiner Hose noch Skiunterwäsche an – ich weiß ultra sexy, aber wenns warm hält..

Nachdem wir nach steileren passagen des Aufstiegs halt gemacht und den nächsten steilen Weg vor uns hatten, beschlossen Chris (ja auch er hatte Skiunterwäsche an) und ich die Skiunterwäsche los zu werden. Also schnell ausziehen und die normale Wanderhose ohne Skiunterwäsche wieder anziehen (Gott sei dank ist das ein Berg mit viel Wald wo man sich hinter Bäumen verstecken kann). Während des wartens kamen eine Gruppe von vier Personen an uns vorbei. Auf den zweiten Blick war zu erkennen, dass die bei den Gebiergsjägern sind. So schnell wie die den Weg rauf sind und dann auch noch im Gleichschritt mit schweren Schuhen und dem Rucksack vom Bund – wir haben uns kurzzeitig echt sehr unsportlich und unfit gefühlt. Diese Geschwindigkeit wäre bei uns nicht drin gewesen. Die vier haben die angegebene Zeit für den Aufstieg bestimmt unterboten.

Brotzeit mit wahnsinns Ausblick
Nomnomnom..Erbeeren…
dieser Ausblick..

ein Hinweis, ein Hinweis..

Nach der Brotzeit kamen wir dann so nach und nach in die Höhenmeter, wo noch Schnee lag. Ein bisschen frischer ist es vielleicht geworden, aber das ist nicht weiter aufgefallen. Wir haben uns ja bewegt und geratscht und blödsinn gemacht. Die Ruhe habe ich in den redepausen auch sehr genossen. Man hört einfach nur die Vögel zwischern und in der ferne ein Bächlein rauschen. Ein absolutes Balsam für die Seele und eine Flucht vom Alltag in die Natur. Kein Verkehrslärm, keine „dicke“ Luft durch Abgase. Hier erlebt man das pure Leben. Ich weiß gar nicht, wie ich das sonst beschreiben soll. Mona, vielleicht kannst du mir helfen, dieses Gefühl und die Stimmung dort zu beschreiben?

passt das nicht alles super fablich zusammen?
Schmelzwasser, welches letztendlich zu einem kleinen Bächlein wird

Bei diesen Bildern haben wir dann das Gipfelkreuz und die Wirtschaft entdeckt. Die Strecke bis dort hin hat sich aber schon noch ganz schön gezogen. Der Weg wurde außerdem matschiger und es war auch immer mehr Schneematsch auf dem Weg, der schön hochsprizte wenn man darin laufen musste. Da kann man auch durchaus auf blöde Ideen kommen und einfach mal in so ne Schneematschmasse reinspringen und sich diebisch freuen, wies spritzt – gell Alex 😉

Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle froh, das Haus zu sehen und hatten langsam keine Lust mehr noch weiter zu gehen #derkaiserschmarrnruft #derrussruft #derbergruft.

Gott sei dank haben wir die Strecke „nur“ noch auf eine Stunde geschätzt und ich glaube sogar unter einer Stunde geschafft. Letztendlich haben wir durch die vielen Pausen, welche wir eingebaut haben und die etwas längere Brotzeitpause gut 3,5 Stunden gebraucht um den Berg zu besteigen, also auf die ca. 1531hm bei der Hütte. Zum Gipfelkreuz waren es nochmal eine halbe Stunde und 200 hm mehr.

Eine kurze Verschnaufpause bei der Hütte hat uns wieder Kraft gegeben um die letzte Halbe- bis Dreiviertelstunde zum Gipfelkreuz zu erklimmen. Der Weg war anfangs allerdings nur ein Trampelpfad im Schnee und es ging ziemlich bergab, wenn man falsch ausgerutscht wäre. Da ich gestürzt und der Tiefe direkt ins „Auge“ geschaut habe, bin ich wieder umgedreht und zurück zur Herzogstandhütte gegangen. Chris ist bei mir geblieben, Alex und Mona sind weiter zum Gipfelkreuz gelaufen. Der Weg wurde zwar nicht wirklich breiter, aber zumindest nicht mehr schneebedeckt.

Mein Schatz und ich sind derweilen auf der anderen Seite der Hütte Richtung Kapelle maschiert und haben uns diese angeschaut. Der Ausblick von dort oben war einfach nur phantastisch und fast genauso schön, wie vom Gipfelkreuz, denk ich 😉

img_4720.jpg

Wir haben uns dann um 14 Uhr zur Einkehr wieder getroffen. Da gabs dann endlich den wohlverdienten Kaiserschmarrn und das Radler bzw. Ruß. Nach dem Käffchen und ein bisschen sitzen und genießen gings dann wieder an den Abstieg.

Der Abstieg hat insgesammt bis zum Auto nur knapp 2 Stunden gedauert. Irgendwie gehts runter immer schneller wie rauf. Wir haben aber auch viel weniger Pausen gemacht und konnten kontinuierlich ratschen und schlendern. Wir haben uns noch gewundert, dass bei dem schönen Wetter, und noch dazu an einem Feiertag, eigentlich recht wenig Leute den Berg hinauf sind. Aber wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass es oben nur 8°C gehabt hat und in den meisten Dörfern der Maibaum aufgestellt worden ist. Für uns wars auf jeden Fall perfekt.

Zu Hause angekommen haben Chris und ich erst einmal eine Runde Magnesium geteilt und dann haben wir unsere Knochen angefangen zu spüren. Viel ist an dem Abend nicht mehr passiert. Am nächsten Tag gings ja schließlich wieder in die Arbeit.

und ins neue Lebensjahr..

so, ich hoffe dir hat mein Beitrag zum Herzogstand gefallen. Es lohnt sich wirklich da raufzusteigen und wir haben auch schon gesagt, dass diese Wanderung nicht unsere letzte bleiben wird. Vielleicht das nächste mal mit Klettersteig.

bis dahin

Martina

4 Gedanken zu “Das Wandern ist des Müllers Lust…

  1. Richtig toller Beitrag der Lust aufs wandern macht….Grad gedacht ich war auch schon lange nicht mehr…… ach ja „Happy birthday“ im Nachhinein wenn ich das richtig verstanden habe! LG lexy

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lexy, ja vielen Dank für die Glückwünsche zum Geburtstag, das hast du richtig gedeutet 🙂

      Freut mich, dass ich in Dir die Lust zum wandern geweckt habe. Einfach das draußen sein und die Natur genießen, alles andere vergessen, das macht das erlebte so schön.
      Ich hoffe du hast auch einen tollen „Hausberg“ wo du wandern gehen kannst.
      Lg Martina

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